Über mich

Die ersten Anfänge

Schon als Vierjähriger hatte ich mich gefragt, wie das Weizenkorn, das ich in der Hand hielt, zu einer Pflanze heranwachsen und wiederum viele Weizenkörner bilden konnte. Als dann in den siebziger Jahren im ZDF Fernsehsendungen über die Entdeckung der Restriktionsenzyme und die Möglichkeit der Sequenzierung von DNA berichteten, faszinierte mich dies schon als kleiner Junge. Ich wollte Molekularbiologie studieren. Denn mir wurde klar, dass die Biologie von einer rein deskriptiven zu einer konkret anwendbaren Wissenschaft werden würde, die die Medizin und die Gesellschaft im Allgemeinen verändern würde.

Das Studium

Der Forschergeist in mir war der Antrieb, der bis heute mein Leben prägt. Ich wollte verstehen, was des Pudels Kern ist und ich wollte mein Wissen so einsetzen, dass Krankheiten kausal heilbar sind. Mein Schwerpunkt lag hierbei immer auf genetischen Erkrankungen und biochemischen Stoffwechselprozessen. Die aufkommenden Möglichkeiten der angewandten Molekulargenetik hatten mich dazu bewogen, nicht Biologie zu studieren, sondern mich der Biochemie und angewandten Molekulargenetik zu widmen. Diese waren damals oftmals ein Teilbereich der Chemie und nicht der Biologie. Aufgrund dessen begann ich das Studium der Chemie in Darmstadt. Aber schon nach wenigen Wochen war mir klar, dass ich über dieses Studium nicht meine beruflichen Ziele erreichen konnte und wechselte daher nach meiner Bundeswehrzeit nach Tübingen, wo ich das Biologiestudium aufnahm.

Der Anfang des Studiums war geprägt von vielen klassischen, deskriptiven Lehrinhalten. Ich lernte den Bauplan von Pflanzen kennen, bestimmte Pflanzen und legte ein Herbarium an. Tiere sezierte ich und lernte die Besonderheiten und Ähnlichkeiten verschiedener Tiere erkennen. Aber sowohl die Pflanzen als auch die Tiere machten mir eines ganz deutlich – die Mechanismen der Evolution sind der Motor all dieser Entwicklungen gewesen. Ich wollte die Evolution mit der Medizin verbinden.
Schon damals glaubte ich, dass der Mensch einem ständigen Prozess der Auseinandersetzung und Anpassung mit der Umwelt unterlag – genau wie alle anderen Lebewesen. Ich war so begeistert von der Biologie, dass ich hierzu und zu der Medizin viele Fachrichtungen studierte, die weit über die Anforderungen eines normalen Biologiestudiums hinausgingen. Neben dem Studium der modernen Biologie, also der Molekulargenetik, studierte ich parallel auch die klassische Humangenetik. Neben Fächern wie Biochemie und Pflanzenphysiologie widmete ich mich auch der pharmazeutischen Biologie und der Pharmakogenetik. Obwohl ich später berufliche Phasen hatte, in denen ich dachte, dass ich total überqualifiziert bin und am Ende doch als Biologe im Außendienst einer Pharmafirma landen würde, hat sich dies zum Glück nicht bewahrheitet. Meine Visionen, mein Dickkopf und ein gehöriges Maß an Glück hat es mir möglich gemacht, dass ich heute dieses komplexe Wissen verknüpfe, um innovative Diagnostika, Medikamente und Lebensmittel zu entwickeln.

Von der Theorie zur Praxis

Wesentlich beigetragen zu dieser Entwicklung hat mein Wechsel vom Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg in die Firma mtm laboratories AG in Heidelberg. Obwohl viele Forscher im DKFZ durch ihre Forschungen Verbesserungen der Krebstherapien erreichen wollen, sind bisher nur relativ wenige Forschungsergebnisse in die Praxis umgesetzt worden. Dies liegt zum einen darin begründet, dass viele Entdeckungen nicht praxisrelevant sind. Aber es liegt auch daran, dass der Weg von einer Entdeckung in die Praxis sehr lange dauert und viel Geld kostet. Meistens sind die am DKFZ gemachten Entdeckungen noch so weit von der Umsetzung entfernt, dass Pharmafirmen diese nicht aufgreifen. Für uns als Staat ist dies sehr negativ, da mit erheblichen finanziellen Mitteln der Steuerzahler wichtige Entdeckungen gemacht werden, diese aber im Anschluss nicht umgesetzt werden. Mein Ziel war immer, dass ich mit meiner Forschung und meinen Entdeckungen die Medizin zum Wohle des Menschen verbessern kann. Obwohl ich aufgrund meiner Publikationen und Patentanmeldungen zu den innovativsten Mitarbeitern des DKFZ gehörte, entschloss ich mich 2001 nach 11 Jahren Forschung am DKFZ in die Firma mtm laboratories AG in Heidelberg zu wechseln, um dort aktiv an der Translation von Forschungsergebnissen in den Alltag der Medizin zu arbeiten.

Die Firma mtm laboratories AG stellt eine Ausgründung des DKFZ dar, in der eine Entdeckung, die am DKFZ gemacht wurde, in ein Diagnostikum umgesetzt werden soll. Der Wechsel fiel mir nicht leicht, da ich die Gefahr sah, dass ich meine geliebte Forschung aufgeben musste. Meine Funktion als Leiter der Target-Identifikation und -Validierung in der Firma gab mir allerdings die Hoffnung, in gewissem Maße weiter forschen zu können. Meine Aufgabe in der Firma bestand darin, Gene zu identifizieren, die als Basis für einen Krebsfrüherkennungstest für Darm- oder Lungenkrebs genutz werden könnten.

Das TKTL1-Gen in Tumorzellen

Ich untersuchte Tausende von Genen mit Hilfe der Real-time-PCR, einer Technologie, mit der man die Aktivierung eines Genes in Tumoren messen kann. Eines Tages kam mir die Idee, auch die Gene zu testen, die ich zu meiner Zeit am DKFZ entdeckt hatte. Als ich dann feststellte, dass das TKTL1-Gen in 2 von 5 Darmtumoren aktiviert wurde, konnte ich es zunächst nicht glauben. Ich hätte nie im Traum daran gedacht, dass ein Gen, das wahrscheinlich im Zuckerstoffwechsel eine Rolle spielt, in Tumoren aktiviert wurde. Ich hatte bis zu diesem Zeitpunkt einen Zusammenhang des TKTL1-Gens mit neurodegenerativen Erkrankungen wie Alzheimer und Wernicke-Korsakoff festgestellt. Aber einen Bezug zu Krebs hatte ich in meiner Zeit am DKFZ nie gesehen. Bis zu diesem Zeitpunkt teilte ich die Einschätzung der meisten Krebsforscher, dass Krebs eine Konsequenz aus der Mutation von Genen darstellt, deren Aufgabe es ist, das Wachstum und das Absterben der Zellen zu steuern.

Die Aktivierung des TKTL1-Gens in einem Teil der Tumoren machte mich neugierig. Als ich meinem damaligen Chef von meiner Entdeckung begeistert berichtete, teilte er diese nicht. Ihm war die Aktivierung TKTL1-Gens in 2 von 5 Tumoren zu wenig, da man auf dieser Basis natürlich keinen Krebsfrüherkennungstest für alle Tumoren entwickeln kann. Ich versuchte ihn zu überzeugen, dass ich an meinem TKTL1-Gen weiterarbeiten durfte, indem ich sagte, dass die zwei Tumore, in denen das TKTL1-Gen aktiviert wurde, womöglich ja die sein könnten, die aggressiver sind und gegen die Strahlen-und Chemotherapien nicht wirkten. Dies überzeugte ihn zwar nicht, aber es verschaffte mir die Möglichkeit, zunächst weiter an diesem Gen zu arbeiten. Meine Entdeckung der Aktivierung des TKTL1-Gens bestätigte sich in allen untersuchten Krebsarten. Immer wieder stellte ich fest, dass ein Teil der Tumore diese Aktivierung aufwies, während andere keine Aktivierung des TKTL1-Gens zeigten.
Ich konnte die Firma überzeugen, eine Patentanmeldung zu meiner Entdeckung einzureichen. Wenige Monate später aber wurde die Entscheidung getroffen, die Arbeit an Genen zur Früherkennung von Darm- und Lungenkrebs einzustellen, und die Mitarbeiter in diesem Bereich zu entlassen. Ich stand vor der schwersten Entscheidung meines Lebens. Sollte ich meinen Ergebnissen der Aktivierung des TKTL1-Gens und dessen Bedeutung für die Resistenzbildung glauben und versuchen, das Projekt auf eigene Faust weiterzuführen, oder sollte ich das Projekt aufgeben und mir eine neue Stelle suchen?

Patentanmeldung und weiteres Vorgehen

Mir war zu diesem Zeitpunkt schon klar, dass die Weiterführung des Projektes, alleine schon aufgrund der damit verbundenen Patentkosten, eine einschneidende Veränderung in meinem Leben bringen würde. Entweder würde ich mein mühsam erspartes Geld verlieren und belacht, oder ich würde einen Weg gehen, den die wenigsten Forscher bisher gegangen sind. Eine Mischung aus Überzeugung in meine Daten, Dickköpfigkeit und Beharrlichkeit haben dazu geführt, dass ich versuchte, dieses Projekt weiterzuführen. Obwohl mir damals klar war, wie anstrengend und existenzbedrohend dieses Unterfangen sein würde, hätte ich nie gedacht, wie belastend die folgenden sieben Jahre sein würden. Vor allem überrascht hat mich, welche Energie Menschen aufbringen, neue Ideen zu blockieren. Trotz der Forderung der Politiker, dass Entdeckungen in Produkte und Therapien übersetzt werden sollen, werfen mir meine Kritiker wie das DKFZ genau das vor.

Die Entdeckung des TKTL1-Gens und der damit verbundenen Funktion des Gens für gesunde Zellen und Krebszellen hat mein Leben nicht nur aufgrund der Angriffe meiner Kritiker verändert, sondern ich habe sehr viel über die Funktionsweise des menschlichen Stoffwechsels gelernt. Ich habe erkannt, dass die Ernährung der Schlüssel für körperliche und geistige Gesundheit darstellt und dass unsere aktuelle Ernährung (Western Diet) die Ursache für Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Alzheimer, Herzinfarkt und Krebs ist. Aufgrund dessen versuche ich, Lebensmittel zu entwickeln, die den Menschen vor solchen Zivilisationskrankheiten schützen und ihm helfen, diese Krankheiten zu therapieren. Es ist mir ein wichtiges Anliegen zu betonen, dass dies nicht die aktuellen Therapien ablösen, sondern diese wirksamer und verträglicher machen sollen. Des Weiteren versuche ich Tests zu entwickeln, mit denen man Krankheiten früher entdecken und Therapien überwachen kann, um frühzeitig Resistenzen erkennen und so den Therapieerfolg erhöhen zu können. Darüber hinaus entwickele ich auch Medikamente mit dem Ziel, Krankheiten effizienter und mit weniger Nebenwirkungen therapieren zu können.