TKTL1

Die Entdeckung

1995 entdeckte ich während meiner Forschungstätigkeit am Deutschen Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg das Gen TKTL1.

In zahlreichen Studien konnte gezeigt werden, dass die Aktivierung des TKTL1-Gens in Tumorzellen mit einer schlechten Prognose für die betroffene Patientengruppe einhergeht. Dies deutete auf eine wichtige Rolle des TKTL1-Gens für das Krebswachstum und die Resistenz gegenüber Standardtherapien wie Chemo- und Strahlentherapie hin.

Eine Forschungsgruppe von Prof. Rogler, Universität Zürich, hat die natürliche Funktion von TKTL1 in Experimenten aufzeigen können. TKTL1 stellt einen Schutzmechanismus für Zellen dar, insbesondere wenn diese unter Stress geraten. Mit Hilfe von TKTL kann eine Zelle ihren Stoffwechsel umschalten und sich dadurch vor Radikalen und dem Zelltod schützen.

Diesen natürlichen Schutzmechanismus können auch Krebszellen nutzen, um sich vor Chemo- und Strahlentherapie zu schützen. Die Folge, Krebszellen mit diesem Stoffwechsel sind resistent gegen diese Therapien.

Die Bestätigung durch weitere Forschung

Das DKFZ (Deutsches Krebsforschungsinstitut) und zahlreiche andere Forschungsgruppen haben die Therapieresistenz TKTL1-positiver Krebszellen mit ihren Arbeiten bestätigt. Auch bei modernen zielgerichteten Therapien wie Imatinib (Glivex) führt TKTL1 zu einer Resistenz. Ebenso wurde bei Krebszellen, die den TKTL1 bedingten Vergärungsstoffwechsel zeigen, eine Therapieresistenz gegenüber Paclitaxel (Taxol) und Cisplatin nachgewiesen.
Auch die Johns Hopkins University, eines der weltweit führenden Institute auf dem Sektor der Onkologie, hat die Bedeutung von TKTL1 erkannt und aufgrund der eigenen Forschungsergebnisse TKTL1 als wichtiges Proto-Onkogen eingestuft.

Der von mir verfolgte Therapieansatz zur Durchbrechung der Therapieresistenzen wurde bisher von vielen als abwegig abgetan. Inzwischen wird das von führenden Krebsforschern anders gesehen. In der renommierten medizinischen Fachzeitschrift „Nature Reviews Cancer“ (dort werden in Übersichtsartikeln alle wichtigen Studien zu einem Thema zusammengetragen) wurde diese Strategie der Reaktivierung eines normalen Stoffwechsels in Krebszellen als wichtiger therapeutischer Ansatz dafür beschrieben, wie Krebszellen wieder empfindlich für Chemo- und Strahlentherapie gemacht werden können.

Darüber hinaus beschreiben Forscher um Robert A. Gatenby, dass die Ignorierung von Resistenzen keine Heilung ermöglicht und dass stattdessen nach der Therapie „der Netto-Effekt ist, dass es zu der Entwicklung einer neuen Form von Krebs kommt, die jetzt hoch resistent gegenüber der bisherigen und ähnlichen Behandlungsstrategie ist“. In der Praxis bedeutet dies, das der Betroffene austherapiert ist und ihm keine weitere Hilfe mehr angeboten werden kann.

Lassen sich Resistenzen zuverlässig messen?

Im Rhönklinikum Bad Berka wurde in einer großen Studie überprüft, wie zuverlässig der EDIM-TKTL1-Bluttest mit der erhöhten Zuckeraufnahme in Tumoren und Metastasen korreliert. Die Daten zeigen, dass fast 95% der TKTL1 bedingten Resistenzen erkannt werden.
Damit steht ein wichtiges neues Messinstrument zur Verfügung, dass nicht nur Resistenzen zuverlässig erkennt. Selbst Therapieerfolge lassen sich damit überwachen. Somit lässt sich schon nach 4 Wochen überprüfen, ob eine Krebstherapie den gefährlichen Vergärungsstoffwechsel in Krebszellen erfolgreich hemmt.