Bluttest zur Diagnostik

Ganz am Anfang, während meiner Zeit am DKFZ (Deutsches Krebsforschungszentrum), konnte ich nachweisen, dass in einzelnen Tumoren TKTL1 sehr stark exprimiert wird (in hohen Konzentrationen vorkommt), während es in anderen Tumoren und gesunden Zellen gar nicht oder nur in niedrigen Konzentrationen nachzuweisen ist. Diese großen Unterschiede in der Konzentration ermöglichen es, durch ein Testverfahren eine positiv oder negativ Aussage zu treffen. Relativ schnell ist es gelungen, einen Antikörper zu entwickeln, mit dem sich das Enzym TKTL1 in Tumorzellen anfärben lässt.

Der Nachteil, es wird Tumorgewebe benötigt, um diesen Test durchzuführen. Nicht immer steht Tumorgewebe zur Verfügung oder die Operation liegt schon länger zurück, sodass das dabei entnommene Gewebe die Resistenzsituation im akuten Tumor nicht widerspiegelt. Auch lassen sich Therapieerfolge mit einem Gewebetest nicht überwachen. Deshalb habe ich nach einem Verfahren gesucht, bei dem man Tumorzellen direkt auf TKTL1-Konzentrationen untersuchen kann. Viele Ansätze über Tumorzellen, die im Blut zirkulieren, sind gescheitert.

Erst die Entwicklung eines vollkommen neuen immunologisch-diagnostischen Verfahrens, der EDIM-Technologie (Epitop- Detektion in Monozyten) brachte den bahnbrechenden Erfolg.

Dabei werden spezielle Immunzellen genutzt, die die Aufgabe haben, Tumorzellen „aufzufressen“. Die dabei aufgenommenen Zellstrukturen bleiben weitgehend erhalten. Mit den Zellen nehmen diese Immunzellen auch TKTL1 auf, die mit der EDIM-Technologie nun identifiziert werden können. Damit lässt sich schon vor Therapiebeginn durch einen einfache Bluttest überprüfen, ob Tumorzellen mit TKTL1-bedingten Resistenzen vorhanden sind und zuverlässig der Erfolg einer Therapie monitorieren. Der Test ist in einer großen Studie überprüft worden, dabei konnte die Leistungsfähigkeit eindrucksvoll unter Beweis gestellt werden.

Durch die Bestimmung eines zusätzlichen weiteren Protein-Markers ist es nun auch möglich, Störungen der Apoptose zu messen und hierüber einen frühzeitigen Hinweis auf proliferative Störungen und Tumoren zu erhalten. Dies ermöglicht die Abklärung verschiedener onkologischer Fragestellungen von der Früherkennung bis zur Nachsorge.